Der ideale Zeitpunkt für den Energieanbieterwechsel

Kurz und knapp
In sieben der letzten zehn Jahre waren die durchschnittlichen Energiepreise im vierten Quartal höher als der Jahresdurchschnitt.
In sieben von zehn Jahren zeigte sich das erste Halbjahr als der günstigste Zeitraum für einen Anbieterwechsel, insbesondere das erste Quartal.
Eine professionelle Energiebeschaffung ist entscheidend. Eine Einkaufsgemeinschaft mit Marktanalysten und Großhandelsvorteilen kann hier den entscheidenden Unterschied machen.
Regelmäßig erscheinen Berichte in den Medien, die behaupten, das vierte Quartal sei der beste Zeitpunkt, um den Strom- oder Gasvertrag zu wechseln. Tatsächlich ist das Jahresende nicht unbedingt ideal für einen Anbieterwechsel, da die Energiepreise in der kalten und dunklen Jahreszeit erfahrungsgemäß eher höher sind.
In diesem Artikel zeigen wir auf, wie sich die Energiepreise in den letzten Jahren entwickelt haben, welche Erkenntnisse sich daraus ableiten lassen und wann sich erfahrungsgemäß idealere Zeitpunkte für einen Wechsel ergeben.
Der ideale Zeitpunkt für den Energieanbieterwechsel 2025
Das ideale Zeitfenster für den Anbieterwechsel lag im Jahr 2025 im März und April.
Nach den verbrauchsintensiven Wintermonaten ging die Nachfrage nach Energie spürbar zurück. Gleichzeitig standen wieder mehr erneuerbare Energien zur Verfügung.
Zudem waren die zentralen politischen Unsicherheiten, wie z. B. die US-Präsidentschaftswahl und die Bundestagswahl in Deutschland (Ende Februar), weitgehend eingepreist.
In dieser Phase, in der die Marktbedingungen im ersten Halbjahr erfahrungsgemäß besonders attraktiv sind, haben auch wir für unsere Mitglieder der Einkaufsgemeinschaft fix neue – und bewusst langfristige – Energielieferverträge abgeschlossen.
Der Grund: Schon im ersten Halbjahr 2025 zeigte sich, dass die späteren Lieferjahre (2027 bis 2029) an der Börse günstiger gehandelt wurden. Diese Preisvorteile konnten wir durch frühzeitige, langfristige Vertragsabschlüsse für unsere Mitglieder sichern (siehe Grafik unten).
Die Preisentwicklung der Jahre 2016–2025
Ein Vergleich der Quartalsdurchschnittspreise der Jahre 2016–2025 mit dem jeweiligen Jahresdurchschnitt zeigt deutlich: In sieben der letzten zehn Jahre lagen die Preise im vierten Quartal meist deutlich über dem Jahresdurchschnitt.
Im Vergleich zu den vergangenen Jahren war das Jahr 2025 generell von weniger Schwankungen geprägt und stellte somit eine Ausnahme dar.
Hinweis: Unter einem Frontjahr versteht man das Jahr, nach dem aktuellen Kalenderjahr. Das aktuelle Frontjahr ist also das Jahr 2027.
Warum ist Energie im vierten Quartal meist am teuersten?
Gegen Ende des Jahres ist die Lage auf dem Energiemarkt häufig durch einen erhöhten Abschlussdruck seitens der Verbraucher und eine erhöhte Nachfrage geprägt. Grund dafür ist, dass in der kalten und dunklen Jahreszeit mehr Energie für Heizung und Beleuchtung benötigt wird.
Zeitgleich sinken die Kapazitäten der Energieversorger, speziell im Bereich der erneuerbaren Energien. Diese liefern im 4. Quartal aufgrund jahreszeitlicher Bedingungen weniger Strom – unter anderem aufgrund der geringeren Zahl an Sonnenstunden im Winter.
Die begrenzte Verfügbarkeit erneuerbarer Energien führt zu einer höheren Nachfrage nach fossilen Brennstoffen. Das treibt die Preise weiter in die Höhe (Merit-Order-Prinzip).
Warum war 2022 Q3 am teuersten?
Das Jahr 2022 war von der Ukraine-Krise geprägt. Die außergewöhnlichen geopolitischen und energiewirtschaftlichen Entwicklungen haben in diesem Jahr zu besonders starken Preisausschlägen geführt, die nicht repräsentativ für die allgemeinen Markttrends sind.
Im Jahr 2023 kehrten die Preise allmählich auf ein normaleres Niveau zurück. Lagen sie zu Beginn des Jahres noch über dem Durchschnitt der Vorjahre, so sorgten eine gute Gasverfügbarkeit und sinkende Risikoaufschläge im Laufe des Jahres für einen kontinuierlichen Preisrückgang und eine Erholung vom Ausnahmejahr 2022.
Wann ist der ideale Zeitpunkt für einen Wechsel?
Kurz gesagt: In der Regel ist Energie im ersten Halbjahr am günstigsten. In den vergangenen sieben von zehn Jahren war das erste Quartal der beste Zeitpunkt für einen Anbieterwechsel, dicht gefolgt vom zweiten Quartal.
Dies ist vor allem auf die grundlegenden Marktmechanismen von Angebot und Nachfrage zurückzuführen.
Im Winter ist der Energiebedarf hoch, während zugleich weniger erneuerbare Energien zur Verfügung stehen. Entsprechend steigen die Preise.
Sobald die Heizperiode endet, sinkt die Nachfrage spürbar. Gleichzeitig steht im Frühling und Sommer wieder mehr Energie aus erneuerbaren Quellen zur Verfügung. Die Preise sinken entsprechend.
Erneuerbare Energien wirken preisdämpfend, da im Betriebsprozess keine Brennstoffkosten anfallen. Sobald sie verfügbar sind, werden sie vorrangig eingesetzt. Teurere fossile Kraftwerke wie Gaskraftwerke oder Kohlekraftwerke werden dann seltener benötigt, um den Energiebedarf zu decken.
Warum sich ein Wechsel generell für Unternehmen lohnt und worauf dabei zu achten ist, zeigen wir in unserem Artikel zum Stromanbieter wechseln auf.
Strategisches Timing beim Energieeinkauf zahlt sich aus
Beim strategischen Energieeinkauf geht es nicht darum, auf den „einen perfekten Moment“ zu hoffen, sondern Preisschwankungen gezielt zu nutzen. Unternehmen, die klare Entscheidungsregeln haben und den Markt systematisch beobachten, können Preisrückgänge gezielt für Vertragsabschlüsse nutzen. Sie sind dann nicht gezwungen, in Phasen mit besonders hohen Preisen zu handeln.
Das bedeutet in der Praxis: Es ist oft sinnvoll, einen Energieliefervertrag ein bis zwei Jahre im Voraus abzuschließen. So sind Unternehmen, die ihren Energieeinkauf entsprechend strukturieren, kurzfristigen Marktsprüngen weniger stark ausgeliefert. Sie legen im Voraus fest, in welchen Zeitfenstern und Preisbereichen sie aktiv werden. Dadurch können sie deutlich überlegter entscheiden, wann sich ein Abschluss wirklich lohnt.
Unternehmen erreichen dadurch eine bessere Budget- und Planungssicherheit – besonders in geopolitisch unruhigen Zeiten.
Dank dieser Strategie konnten viele unserer Mitglieder die Ukraine-Krise mit teils sehr günstigen Preisen überstehen. Verträge mit der optimalen Laufzeit, die zum richtigen Zeitpunkt abgeschlossen werden, schützen vor plötzlichen Preissprüngen und bieten Sicherheit.
Gemeinsam stark: So sparen Unternehmen durch kontinuierliche Marktbeobachtung und Mengenbündelung
Die Einkaufsgemeinschaft fix ist Ihr strategischer Partner für ideale Einkaufszeitpunkte. Wir bündeln den Energiebedarf von über 29.000 Mitgliedern mit einem Volumen von rund 7 Mrd. kWh und erreichen damit eine Einkaufsmacht von etwa 2 Mrd. Euro.
Viele KMU haben im Alltag kaum Zeit, Preise, politische Entscheidungen und Börsenentwicklungen laufend zu verfolgen. Oft werden Entscheidungen unter Zeitdruck getroffen, wodurch attraktive Preisphasen ungenutzt bleiben.
Die Einkaufsgemeinschaft fix setzt genau hier an. Unsere Analysten beobachten den Markt kontinuierlich, werten Daten aus und identifizieren Zeitpunkte mit besonders attraktiven Konditionen. Unsere Mitglieder müssen somit den Markt nicht selbst überwachen und reduzieren das Risiko, Verträge in unvorteilhaften Phasen abzuschließen.
Als wattline-Mitglied nutzen Sie somit zwei starke Hebel: die Einkaufsmacht der Gemeinschaft und professionelle Marktanalysen. Dadurch steigen die Chancen auf bessere Konditionen und niedrigere Energiekosten dauerhaft.
Ihr Sparpotenzial
Verschaffen Sie sich Zugang zu einer professionellen Energiebeschaffung mit Konditionen, wie sie sonst nur Großkunden erhalten.

Warum das 4. Quartal manchmal doch sinnvoll ist
Zwar bietet das erste Halbjahr oft bessere Möglichkeiten, günstige Preise zu erzielen, doch gibt es Situationen, in denen ein Abschluss in Q4 unvermeidbar ist. Das ist beispielsweise der Fall, wenn ein Energieliefervertrag zum Ende des Jahres ausläuft und das Unternehmen kurzfristig neue Lieferverträge benötigt. Dann ist weniger entscheidend, wann gewechselt wird, sondern es kommt darauf an, rechtzeitig zu handeln, um die Liefersicherheit für Strom und Gas zu gewährleisten.
Um Zwangssituationen dieser Art zu vermeiden, empfiehlt es sich, deutlich früher mit der Marktbeobachtung zu beginnen – idealerweise bereits einige Jahre vor dem Auslaufen bestehender Verträge. Umso länger die Restlaufzeit ist, desto größer ist der Spielraum, Preisentwicklungen zu verfolgen, von Preistiefs zu profitieren und den Zeitpunkt für den Anbieterwechsel strategisch zu planen.
Ein Beitritt zur Einkaufsgemeinschaft 6 bis 12 Monate vor Vertragsende verstärkt diesen Effekt deutlich. Analysten können den Markt umso länger beobachten und ideale Einkaufszeitpunkte identifizieren, je früher ein Unternehmen Mitglied wird. Dadurch haben Sie mehr Chancen auf attraktive Konditionen und geraten bei auslaufenden Verträgen nicht unter Zugzwang.
Über Philip Gutschke
Philip verantwortet als stellvertretender Geschäftsführer und Bereichsleiter Energiebeschaffung die strategischen und operativen Einkaufsprozesse für die Mitglieder der Einkaufsgemeinschaft und vertritt deren Interessen beim BDEW (Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft).
Er beschäftigt sich leidenschaftlich mit den aktuellen Entwicklungen und Herausforderungen im Energiemarkt. In seiner Freizeit findet man ihn am, im oder auf dem Wasser.

